So geht IT-Jobmesse: Im Gespräch mit den Machern des ITCS

Bianca Schillinger
Von Bianca Schillinger am 25.06.2019 09:54:08
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Vom War for Talents, IT-Fachkräften und Besucheransprache

Interview • Lesezeit: 5 Min.

Hamburg, Darmstadt, Frankfurt: In diesen Städten versammelt der IT Career Summit IT-Fachkräfte, Arbeitgeber und Tekkies für einen Tag voller spannender Vorträge, Workshops und Networking. Heute stehen uns die beiden Gründer Philipp Umbeck und Matthias Walenda Rede und Antwort zu ihrer Vision der Zukunft des Recruitings.

 

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Matthias Walenda und Philipp Umbeck sind Gründer und Veranstalter des ITCS und Unternehmer aus Leidenschaft. Der IT Career Summit (kurz ITCS) ist eine Mischung aus Tech Konferenz, IT-Jobmesse und Digital-Festival und bringt Tekkies, Arbeitgeber und IT-Fachkräfte zusammen. Wir haben mit ihnen über HR-Messen, den Fachkräftemangel in der IT-Branche und den perfekten Messestand gesprochen.


Lieber Herr Walenda, lieber Herr Umbeck, Jobmessen gibt es ja eigentlich wie Sand am Meer. Wie kam es trotzdem zur Gründung des ITCS?

Das stimmt. Im Prinzip gibt es an jedem Hochschulstandort mindestens eine etablierte Karrieremesse, meistens fachübergreifend und auf die Rekrutierung von Studenten ausgerichtet. Berufstätige hingegen kommen eher selten zurück an ihre Universität. Unser Startup hat ebenfalls mit der Ausrichtung einer fachübergreifenden Karrieremesse angefangen, der Jobunication Rhein-Neckar in Heidelberg, da dort eine hochschuleigene Messe fehlte. Die Entwicklung zum ITCS fand aufgrund der hohen Nachfrage unserer Aussteller nach Informatikern statt. Im Austausch mit den Firmen wurde uns klar, dass der Bedarf nach zielgerichteten Events besteht, bei denen konkret ITler angesprochen werden – und zwar Berufstätige und Studenten!  

 

Was unterscheidet den ITCS von anderen Jobmessen?

Ehrlich gesagt mögen wir den Ausdruck „Jobmesse“ gar nicht so sehr. Wir verwenden ihn in der Ansprache der Zielgruppe jedoch auch, da jedem sofort klar ist worum es geht. Beim ITCS geht es aber noch um viel mehr. Wir verbinden die Elemente Tech Konferenz, IT-Jobmesse und Festival miteinander, um allen Beteiligten ein tolles Erlebnis zu liefern. Es reicht nicht mehr, eine Turnhalle zu mieten und „Jobmesse“ auf einen Flyer zu schreiben. Beim ITCS stehen Inhalte im Vordergrund. Normalerweise müssen IT-Interessierte hunderte von Euro für Tech Konferenzen zahlen, beim ITCS gibt es den kompletten Content kostenlos. In Darmstadt hatten wir 80 hochkarätige Speaker, vom Startup bis zum Weltkonzern. Die Unternehmen halten keine reinen Firmenpräsentationen, sondern behandeln in den Vorträgen und Keynotes immer ein IT-Thema. Neben inhaltlich spannenden Vorträgen und Keynotes gibt es bis zu 20 kostenlose 90-minütige Workshops, in denen verschiedenste Tech-Themen erarbeitet werden. Das Feedback der Besucher ist herausragend. Es geht nicht nur darum Firmen kennenzulernen, sondern auch etwas zu lernen! Last but not least ist der ITCS ein Festival. Das ist neben musikalischen Elementen, einer After-Party, einem eSports Bereich, 24h-Hackathon, VR-Stationen, Tischkickern, Zuckerwatte und Vielem mehr eine Grundeinstellung. Die Besucher sollen etwas erleben und Spaß haben! „Come as you are“ zählt hier auch dazu. Auf unseren Veranstaltungen sieht man niemandem im Anzug. Alles etwas lockerer, das merken die Besucher spätestens am Eingang, wenn der DJ sie anlacht. Die Aussteller sind beispielsweise auch mit ITlern aus ihren Fachabteilungen vertreten. Tekkies fachsimplen nunmal am liebsten auf Augenhöhe mit anderen Tekkies. Es geht darum sich auszutauschen, die Aufgaben in den Firmen konkret kennenzulernen und etwas von dem Tag mitzunehmen. Eine neue Sichtweise durch einen Vortrag, neue Skills durch einen Workshop oder neue Kontakte für den beruflichen Einstieg oder eine Veränderung.

Bildergalerie: OTTOs Messestand beim ITCS


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Besonders im hart umkämpften IT-Bereich gibt es wenige Bewerber – die meisten qualifizierten Fachkräfte befinden sich in einem Arbeitsverhältnis und sind nicht aktiv auf der Suche. Wie können Unternehmen diese Menschen erreichen?

Das ist schon richtig, es gibt jedoch auch zahlreiche Studien, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Berufstätigen „latent“ auf der Suche ist. Diejenigen erreichen wir durch die gebotenen Inhalte. Manche kommen um einen Speaker zu hören der sie interessiert oder um sich im Biohacking-Workshop ein Implantat setzen zu lassen mit dem man die Haustür öffnen kann. Andere machen aus Spaß am Coden beim 24h-Hackathon mit oder schauen beim ITCS vorbei um im eSports Bereich gegen einen FIFA-Profi zu spielen. Jemand, der sich für IT interessiert und in dem Bereich arbeitet, muss sich ständig weiterbilden. Die Tekkies lieben das was sie tun und sind auch motiviert, sich neue Dinge anzueignen. Die Unternehmen haben die Chance, diese Menschen zu erreichen indem sie zeigen was sie konkret tun und Inhalte vermitteln. Am liebsten natürlich auf dem ITCS!

Haben Jobmessen eine Zukunft, oder verlagert sich der War for Talents, besonders in der IT-Branche, immer mehr ins Internet?

Eine sehr gute Frage! Wussten Sie, dass wir in 2018 eine virtuelle Karrieremesse namens Jobunication Online gelauncht haben? Eine Online-Messe, bei der jeder User einen eigenen Avatar hat, den er auch individuell gestalten kann. Man läuft wie in Echt durch eine Messehalle an Messeständen vorbei und unterhält sich (per Chat oder VoIP) mit den Firmenvertretern. Das funktioniert! Bewerber und Firmenvertreter connecten sich und es kommt zu Einstellungen, dem eigentlichen Ziel der Unternehmen. Es gibt Vorteile wie Anonymität, schüchterne Menschen können am Computer zuhause chatten wo sie sich wohlfühlen, keine Reisekosten, usw. Es ist aber auch ganz was anderes. Der persönliche Touch fehlt. Ein virtueller Vortrag ist nicht das Gleiche wie ein „echter“. Ein Workshop ist online schwerer abzubilden, der Entertainment Aspekt fehlt und der Mensch tauscht sich einfach gerne von Angesicht zu Angesicht aus. Messen funktionieren aufgrund des persönlichen Kontaktes in allen Bereichen, nicht nur in Bezug auf Jobs. Zweifelsohne spielt das Internet im War for Talents eine immer wichtigere Rolle, doch ist nicht jedes neue Online Tool gleich der Heilsbringer. Wir verteilen für die Bewerbung unserer Events auch noch Flyer an den Unis, setzen aber auch auf Online-Werbung, daran führt kein Weg vorbei. Auf den Mix kommt es an!

So wird Ihr Recruiting-Messeauftritt zum Erfolg


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Welche Tipps habt Ihr für Firmen, die auf dem ITCS oder einer anderen Jobmesse nach motivierten Bewerbern suchen? 

Die Bewerber mögen, wie gesagt, Content. Ein Workshop beispielsweise, bei dem die Firma mit einem spannenden Thema 20-25 Interessenten über 90 Minuten mit Inhalten bespielen kann ist eine super Möglichkeit. Man erhält auch einen ersten Eindruck der Kandidaten. Grundsätzlich sind die Messeteilnahmen erfolgreicher, bei denen das Unternehmen etwas bietet. Das mag ganz banal eine Kaffeemaschine am Messestand sein (Kaffee zieht immer), ein Exponat wie ein Roboter oder etwas zum Erleben, wie der Möglichkeit AR/VR-Anwendungen auszuprobieren. Spaß an der Sache und ein authentisches Bild vermitteln ist ebenso wichtig. Und man muss seine Fachabteilungen einbeziehen – die Kollegen suchen in Endeffekt auch das Personal und können viel besser die Inhalte und auch Atmosphäre im Unternehmen vermitteln. Was man nicht tun sollte, was wir leider immer wieder erleben, ist es, morgens sein Roll-Up hochzuziehen und den ganzen Tag mit dem Rücken zum Geschehen am privaten Smartphone am Stand zu sitzen und den Blicken der Besucher auszuweichen. Wer proaktiv ist gewinnt!


Wie sieht der perfekte HR-Messestand für euch aus?

Der perfekte Stand muss nicht notwendigerweise teuer sein. Er sollte offen und einladend für die Besucher sein. Wir haben einen Aussteller, der voll und ganz auf Lounge-Möbel setzt, es gibt nicht mal ein Firmenschild, man möchte herausfinden was dahintersteckt! Ein paar Süßigkeiten und proaktive Mitarbeiter – fertig. Exponate sind wie beschrieben auch immer gut, auch um direkt zu zeigen was die eigene Firma eigentlich macht. Sie produzieren Roboter-Greifarme? Bringen sie einen mit! 


Vielen Dank Herr Walenda und Herr Umbeck für dieses spannende Interview!

  

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LA CONCEPT wünscht viel Spaß beim Lesen!

 

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