„Die Messe der Zukunft braucht Menschen. Und Dialog“

Christiane Baumert
Von Christiane Baumert am 27.11.2018 09:00:19
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Drei Messe-Insider stehen uns Rede und Antwort

Interview • Lesezeit: 4 Min.

Welcher Wandel steht uns in der Messewelt bevor? Wie können Aussteller darauf reagieren? Und wie sehen die Messestände der Zukunft aus? Eine Eventplanerin, ein OMR-Gründer und ein Online-Marketing-Spezialist im Gespräch über die Messe der Zukunft.


LA CONCEPT: Können Sie uns Ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Katharina Steul, Unit:Art:  Unit:Art wurde 1995 gegründet. Grob gesagt sind wir Veranstaltungsplaner, aber wir nennen uns selbst „Production Company“, d. h., dass wir ein Projekt von A-Z betreuen. Bei uns verbinden sich Kreation und Konzeption mit Design und Gestaltung und mit praktischen Lösungen und individuellen Anfertigungen. Für große wie kleine Projekte – für Event und Messebau - immer mit Liebe zum Detail.

Jan Bechler, Finc3: Finc3 ist eine Online Marketing Agenturgruppe mit Sitz in Hamburg und Bratislava. Mit unserer auf B2B Marketing spezialisierten Agentur BizMut arbeiten wir auch regelmäßig für Event-, Messe- und Kongressveranstalter und helfen ihnen, auf digitalen Kanälen ihre Veranstaltungen in häufig sehr speziellen Zielgruppen zu bewerben. Über meine Rolle als Partner bei den OMR sind wir außerdem auch selbst Veranstalter vieler kleinerer bis sehr großer Events mit B2B Zielgruppe.

Philipp Westermeyer, OMR: Wir von der OMR sind Medienanbieter: Einerseits richten wir jedes Jahr das Online Marketing Rockstars Festival in Hamburg aus. Daneben gibt es aber zahlreiche weitere Veranstaltungen und unsere Online-Plattform. Hier liefern wir Podcasts, Seminare, News und vieles mehr für moderne Online-Marketing-Macher.


Katharina Steul-Unit:Art, Jan Bechler-Finc3, Philipp Westermeyer-OMR


Glauben Sie, dass die klassische Messe eine Zukunft hat?
 

Katharina Steul, Unit:Art: Wenn klassisch meint, dass alle Player einer Branche in einem gemeinsamen Forum zusammenkommen, ganz sicher. Wir alle suchen nach konkreten Orten der Begegnung, gerade weil uns die virtuellen, digitalen Welten so viele neue Möglichkeiten bieten. Selbst Dienstleistungen wollen konkret erfahren werden: durch Menschen, die sie mir vorstellen und sie mir näherbringen. Und am besten dort, wo ich Vergleichbares direkt nebenan finde. Die Messe der Zukunft wird natürlich sehr digital werden, um das Jetzt noch klarer, noch größer und noch wirkungsvoller zu machen. Aber: übermittelt durch Menschen. Und im Dialog.

Jan Bechler, Finc3: Ja, ich denke schon, dass klassische Messen eine Zukunft haben. Viele Dinge sind live und vor Ort besser erlebbar als in der digitalen Welt. Die Messe ist und bleibt dafür eine hervorragende Möglichkeit, in kurzer Zeit große Reichweiten in einer Branche zu schaffen. Ich glaube aber auch, dass ein großer Wert darin besteht, auf Messen nicht nur auf „walk in-Besucher“ zu vertrauen, die zufällig den Stand betreten, sondern gezielt vorab Leads zu qualifizieren und konkrete Termine zu vereinbaren. Das funktioniert heute über digitales Marketing sehr viel einfacher, effizienter und zuverlässiger als in der analogen Welt.

Philipp Westermeyer, OMR: Messen als Medium wird es immer geben. Entscheidend ist der Fokus einer Messe, die historische Entwicklung und natürlich der Veranstalter. Wir von der OMR sind keine reinen Messeveranstalter. Bei uns fokussieren sich also nicht alle Tätigkeiten ausschließlich auf diesen einen Messetermin im Jahr, wir bespielen unsere Interessenten ganzjährig. Bei Veranstaltungen wie z. B. der Cebit sieht das anders aus: Veranstalter der Cebit ist die Deutsche Messe AG. Die Deutsche Messe AG hat natürlich Ihren Fokus auf die Aussteller und den jährlichen Messezeitpunkt. Daher hat die Cebit zum einen die Aufgabe, durch die Aussteller den Markt bestmöglich zu präsentieren und dadurch andererseits, die Messehallen durch Besucher voll zu bekommen.

Wir bei der OMR gehen genau andersherum vor: Wir arbeiten Kunden- und Besucherorientiert. Wir hinterfragen deren Bedürfnisse und Probleme und versuchen so, ein Rundum-Erlebnis zu kreieren. Auf der OMR 2018 hatten wir über 300 Speaker und Aussteller, drei Bühnen, 120 Masterclasses, an die hundert Side Events und zwei ziemlich gut besuchte Partys. Und bei allen Aktivitäten stehen das Digitale Marketing und die dazugehörigen Trends, News, und der Austausch im Vordergrund. Außerdem sind Events wie unsere OMR keine rein beruflichen Veranstaltungen. Hier wird nicht privat und beruflich getrennt, sondern alles miteinander vermischt.

 

Hat die klassische Messe eine Zukunft?


Wie sollten sich Aussteller in Zukunft verhalten? Worauf können sie achten und was sollten sie verändern?
 

Katharina Steul, Unit:Art: Die Anforderungen an Messestände haben sich geändert: Entscheidend ist heute der Grad an interaktiver Vielfalt. Wir müssen den Messestand nicht nur aus dem Blickwinkel des Unternehmens betrachten, sondern die „Customer Journey“ ist das Mitentscheidende. Stichwort: Information durch Interaktion. Dabei kommt natürlich der Digitalisierung eine entscheidende Rolle zu. Sie bietet eine methodische Spielwiese, um dem immer stärker werdenden Wunsch nach Individualisierung gerecht zu werden. Dass flexible Räume entstehenden für den einen großen Moment. Dass ich als Einzelner der Mittelpunkt des Geschehens bin. Und doch muss die Messesituation „analog“ zugleich sein. Ich muss die Situation „begreifen“ können. Dafür braucht es ein klares, überzeugendes Design, mit dem sich der Besucher ganz konkret auseinandersetzen kann.

Jan Bechler, Finc3: Messe-Auftritte im Speziellen sowie B2B-Marketing im Allgemeinen werden künftig immer mehr in einen Rechtfertigungs-Druck kommen und müssen einen messbaren Wirkungsbeitrag und ROI liefern. Genauso, wie es durch die Digitalisierung in anderen Marketing-Feldern in den letzten Jahren bereits passiert ist. Es wird also noch mehr um Messbarkeit über alle Phasen gehen sowie darum, die Möglichkeiten der skalierbaren, hoch effizienten Ansprache von B2B-Zielgruppen im Vorfeld zu nutzen, um für ausreichend „Traffic“ am Messestand zu sorgen. Im Nachgang gilt es, durch professionelles CRM die auf der Messe generierten Kontakte und Leads nachzuqualifizieren und in Umsatz zu konvertieren.

Philipp Westermeyer, OMR: Aussteller müssen anfangen, Ihren Messeauftritt als Erlebnis aus Kundensicht zu denken: Bei der OMR kaufen Aussteller nicht nur Messeplätze oder Messepakete. Wir denken nicht in Quadratmetern, sondern in Kommunikation. Vor allem der Content, die inhaltliche Basis und die verschiedenen Berührungspunkte sind entscheidend. Wir beraten unsere Aussteller und Kunden und fragen sie nach ihren Interessen und Zielen. Danach wird entscheiden, wie wir die Botschaften am besten an unsere Zielgruppe transportieren. Statt einer reinen Standfläche kauft man bei uns quasi Kommunikation. Darin können dann beispielsweise auch Podcast-Werbung, Kooperationen oder Vorträge als Bestandteil mit eingeplant werden. Nicht nur für Besucher, sondern auch für Aussteller erzeugen wir ein 360° Erlebnis.

 

Wie müssen sich Messeaussteller verändern und anpassen?


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LA CONCEPT wünscht viel Spaß beim Lesen!

 

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